Typ-1-Diabetes (T1D) Diagnose: So wird die Autoimmunerkrankung festgestellt
Weltweit leben mehr als 9 Millionen Menschen mit autoimmunem Typ‑1‑Diabetes (T1D)1 – einer fortschreitenden Erkrankung, die durch den Verlust insulinproduzierender Zellen verursacht wird.
Erfahre, wie autoimmuner Typ‑1‑Diabetes erkannt wird, welche Diagnosemöglichkeiten es gibt und warum eine Früherkennung wichtig sein kann.
Wie lässt sich autoimmuner Typ‑1‑Diabetes vermuten und diagnostizieren?
Die Diagnose eines autoimmunen Typ‑1‑Diabetes erfolgt häufig erst, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, erhöhte Blutzuckerwerte und Symptome auftreten – oder im unbehandelten Fall sogar als medizinischer Notfall.
Ein autoimmuner Typ‑1‑Diabetes kann unter anderem bei Symptomen wie verstärktem Durst, häufigem Wasserlassen, ungeklärtem Gewichtsverlust oder Müdigkeit vermutet werden.
Erfahre mehr über die Symptome von autoimmunem Typ‑1‑Diabetes.
Heute kann autoimmuner Typ‑1‑Diabetes jedoch in vielen Fällen bereits vor dem Auftreten erster Symptome durch eine Früherkennung festgestellt werden.
Die Früherkennung des autoimmunen Typ‑1‑Diabetes ermöglicht Dir einen besseren Einstieg in den Umgang mit der Erkrankung2 und hilft Dir, von Anfang an die Kontrolle zu übernehmen. Sie ist ein proaktiver Ansatz, um Typ‑1‑Diabetes frühzeitig zu erkennen und zu begleiten, und unterstützt Dich dabei, Deine Gesundheit in jeder Phase im Blick zu behalten.2
Eine frühe Diagnose gibt Dir die Möglichkeit, Dich vor der klinischen Manifestation des autoimmunen Typ‑1‑Diabetes mit der Erkrankung vertraut zu machen und den sicheren Umgang damit zu erlernen. Dies kann dazu beitragen, Sorgen und Belastungen zu reduzieren, wenn die Erkrankung später symptomatisch wird.2
Erfahre mehr darüber, was nach der Früherkennung passiert.
Kann autoimmuner Typ-1-Diabetes frühzeitig erkannt werden?
Ja! Beim autoimmunen Typ‑1‑Diabetes richtet sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen die insulinproduzierenden Zellen (Betazellen) in der Bauchspeicheldrüse. Dabei entstehen sogenannte Autoantikörper, die oft schon Jahre vor dem Auftreten erster Symptome nachweisbar sind.
Der Nachweis dieser Autoantikörper im Rahmen der Früherkennung ermöglicht es Ärztinnen und Ärzten, Personen mit einem Frühstadium des autoimmunen Typ‑1‑Diabetes zu identifizieren.3 Die anschließende Bestimmung des Krankheitsstadiums anhand der Blutzuckerwerte liefert wichtige Hinweise auf das Risiko und den zu erwartenden Zeitpunkt des Übergangs in die klinisch manifeste Erkrankung.
Insbesondere Menschen, die Verwandte mit autoimmunem Typ‑1‑Diabetes haben, haben ein bis zu 15‑fach erhöhtes Risiko und es wird empfohlen, bei ihnen eine Früherkennung durchzuführen.2
Finde heraus, ob bei Dir ein erhöhtes Risiko für autoimmunen Typ‑1‑Diabetes bestehen könnte.
Die Früherkennung kann autoimmunen Typ‑1‑Diabetes zwar frühzeitig aufdecken, für eine gesicherte Diagnose und zur Bestimmung des Krankheitsstadiums sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich.4
Erfahre mehr über die Früherkennung bei autoimmunem Typ‑1‑Diabetes.
Autoimmuner Typ-1-Diabetes Diagnostik: Welche Tests gehören dazu?
Autoimmuner Typ‑1‑Diabetes kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter ungeklärter Gewichtsverlust, häufiges Wasserlassen sowie verstärkter Durst und Müdigkeit.3,5
Diese Symptome spielen eine wichtige Rolle bei der Diagnose von symptomatischen Patientinnen und Patienten. Inzwischen ist es jedoch auch möglich, autoimmunen Typ‑1‑Diabetes bereits vor dem Auftreten von Symptomen im Rahmen der Früherkennung zu erkennen.2
Autoantikörper-Testung
Die Untersuchung auf Typ‑1‑Diabetes‑Autoantikörper ist ein zentraler Test zum Nachweis eines autoimmunen Typ‑1‑Diabetes.4 Dabei werden Autoantikörper bestimmt, die der Körper fälschlicherweise gegen die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse bildet.3
Wer sich fragt, welche Antikörper im Bluttest bei Typ-1-Diabetes untersucht werden, sollte wissen, dass häufig Glutamatdecarboxylase (GAD)-Antikörper und Insulinoma-assoziiertes Antigen 2 (IA-2)-Antikörper, aber auch Insulin-Autoantikörper (IAA) sowie Zinktransporter 8 (ZnT8)-Antikörper bestimmt werden. Der Nachweis eines oder mehrerer dieser Autoantikörper spricht für einen autoimmunen Prozess und unterstützt die Diagnose eines Typ-1-Diabetes.
Zusätzlich zur Autoantikörper‑Testung werden weitere Untersuchungen gemacht, um das Stadium des autoimmunen Typ‑1‑Diabetes zu bestimmen.6 Deine Ärztin oder Dein Arzt kann hierfür unter anderem folgende Tests durchführen:
Der HbA1c-Wert bei Typ-1-Diabetes
Der HbA1c‑Wert gibt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten drei Monate an. Ein HbA1c‑Wert von 5,6 % oder weniger indiziert einen normalen Blutzucker und weist auf Stadium 1 des autoimmunen Typ-1-Diabetes hin. Ein HbA1c‑Wert zwischen 5,7–6,4 % weist auf Stadium 2 des autoimmunen Typ‑1‑Diabetes hin, während ein Wert von 6,5 % oder höher auf Stadium 3 hindeutet. Für Menschen mit autoimmunem Typ‑1‑Diabetes ist es wichtig, ihren HbA1c‑Wert zu kennen, da regelmäßige Kontrollen zur Überwachung der Erkrankung und zur Anpassung der Therapie genutzt werden.6,7
Nüchternblutzucker‑Test
Dieser Test misst den Blutzuckerspiegel nach mindestens 8 Stunden ohne Nahrungsaufnahme (Wasser ist erlaubt). Beim autoimmunen Typ‑1‑Diabetes ist ein Wert unter 100 mg/dl mit Stadium 1 verbunden, ein Wert zwischen 100–125 mg/dl in der Regel mit Stadium 2 verbunden, während wiederholt gemessene Werte ab 126 mg/dl auf Stadium 3 hinweisen.6,8
Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)
Beim oralen Glukosetoleranztest wird der Blutzucker vor und nach dem Trinken einer standardisierten Glukoselösung gemessen. Beim autoimmunen Typ‑1‑Diabetes deutet ein Wert unter 140 mg/dl zwei Stunden nach der Einnahme auf Stadium 1 hin, ein Wert zwischen 140–199 mg/dl zwei Stunden nach der Einnahme auf Stadium 2 hin, während ein Wert von mindestens 200 mg/dl auf Stadium 3 schließen lässt.6,8
Zufallsblutzucker-Test
Bei diesem Test wird der Blutzucker unabhängig von der Tageszeit gemessen. Werte von 200 mg/dl oder höher sprechen beim autoimmunen Typ‑1‑Diabetes für Stadium 3.8
Autoimmuner Typ-1-Diabetes: In welchem Alter erfolgt die Diagnose?
Das Alter bei der Diagnose von Typ-1-Diabetes kann sehr unterschiedlich sein. Derzeit liegt das häufigste Alter bei der Diagnose von Typ-1-Diabetes zwischen 10 und 14 Jahren.9 Inzwischen ist jedoch gut belegt, dass auch Erwachsene betroffen sind: Bis zu 62 % der Neuerkrankungen treten im Erwachsenenalter auf.
Autoimmuner Typ‑1‑Diabetes kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten.10 In den meisten Fällen zeigen sich Typ‑1‑Diabetes‑Autoantikörper erstmals gehäuft zwischen dem 9. Lebensmonat und dem 2. Lebensjahr.11
Um autoimmunen Typ‑1‑Diabetes möglichst frühzeitig zu erkennen, sollte die Früherkennung daher bereits im Kindesalter erfolgen – idealerweise im Alter von 2 und 6 Jahren.12 Darüber hinaus wird die Früherkennung insbesondere für Personen mit einem erhöhten Risiko empfohlen, zum Beispiel bei familiärer Vorbelastung oder bei bestimmten anderen Autoimmunerkrankungen.2
Finde heraus, ob bei Dir ein erhöhtes Risiko für autoimmunen Typ‑1‑Diabetes bestehen könnte.
Bis zu welchem Alter kann autoimmuner Typ‑1‑Diabetes diagnostiziert werden?
Autoimmuner Typ‑1‑Diabetes kann in jedem Lebensalter diagnostiziert werden. Bei manchen Menschen wird die Erkrankung erstmals in den 50er oder 60er Jahren festgestellt.3,13
Bei Erwachsenen erfolgt die Diagnose häufig erst in einem späteren Stadium, wenn bereits Symptome auftreten. Zudem wird autoimmuner Typ‑1‑Diabetes im Erwachsenenalter nicht selten zunächst mit anderen Diabetesformen verwechselt, was die Diagnosestellung verzögern kann. In einigen Fällen zeigt sich die Erkrankung auch als medizinischer Notfall.3,14
Die Früherkennung von autoimmunem Typ‑1‑Diabetes kann dazu beitragen, das Risiko solcher Notfälle zu verringern.14 Insbesondere Personen mit einer familiären Vorbelastung oder mit anderen Autoimmunerkrankungen wird eine Früherkennung empfohlen.15 Allerdings haben die meisten Menschen mit autoimmunem Typ‑1‑Diabetes keine familiäre Vorgeschichte der Erkrankung.15
Sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt über die Früherkennung, wenn Du vermutest, dass Du selbst oder Dir nahestehende Personen ein erhöhtes Risiko für autoimmunen Typ‑1‑Diabetes haben könnten.
Erfahre mehr über Risikofaktoren für autoimmunen Typ‑1‑Diabetes.
Ist eine Fehldiagnose bei Typ‑1‑Diabetes möglich?
Eine Fehldiagnose ist möglich und tritt vor allem bei Erwachsenen über 30 Jahren auf.5 Typ-1-Diabetes im Frühstadium und Prädiabetes gehen beide mit erhöhten Blutzuckerwerten einher, was die Unterscheidung in diesem Stadium erschweren kann.6
Autoimmuner Typ‑1‑Diabetes kann zudem fälschlicherweise als Typ‑2‑Diabetes diagnostiziert werden, da beide Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen.13,16 Schätzungen zufolge werden etwa 77 % der Erwachsenen mit autoimmunem Typ‑1‑Diabetes zunächst als Typ‑2‑Diabetes fehlklassifiziert.17,18
Auch wenn es leicht zu Verwechslungen kommen kann, handelt es sich um grundsätzlich unterschiedliche Erkrankungen: Prädiabetes ist eine Vorstufe des Typ‑2‑Diabetes und kann durch Lebensstiländerungen wie Ernährung und Bewegung rückgängig gemacht werden. Autoimmuner Typ‑1‑Diabetes hingegen ist eine Autoimmunerkrankung und kann weder verhindert noch umgekehrt werden. Im Gegensatz dazu sind Prädiabetes und Typ‑2‑Diabetes keine Autoimmunerkrankungen.
Die Bestimmung von Autoantikörpern kann dabei helfen, Typ‑1‑Diabetes von Typ‑2‑Diabetes zu unterscheiden8 und das Risiko einer Fehldiagnose zu verringern.2
Erfahre mehr über verbreitete Mythen rund um autoimmunen Typ‑1‑Diabetes.
Was geschieht nach einer Typ‑1‑Diabetes‑Erstdiagnose?
Es ist ganz normal, sich nach einer Typ‑1‑Diabetes‑Erstdiagnose überrascht oder verängstigt zu fühlen und viele Fragen zu haben. Dein Behandlungsteam steht Dir zur Seite, um Dich aufzuklären und Dir passende Informationen und Unterstützungsangebote an die Hand zu geben, damit Du Deine Gesundheit selbstbewusst und gut begleitet managen kannst.2
Derzeit gibt es keine Heilung für autoimmunen Typ‑1‑Diabetes. Es werden jedoch kontinuierlich neue Therapieansätze entwickelt, die den Umgang mit der Erkrankung erleichtern können.2
Wenn im Rahmen der Früherkennung festgestellt wurde, dass Du Dich möglicherweise im präsymptomatischen Stadium des autoimmunen Typ‑1‑Diabetes befindest, werden Du und Deine Ärztin oder Dein Arzt den Verlauf der Erkrankung regelmäßig anhand Deiner Blutzuckerwerte beobachten. In diesem Stadium ist in der Regel noch keine Insulintherapie erforderlich.4,18 Gleichzeitig können Aufklärung und psychologische Unterstützung Dir helfen, Dich auf den weiteren Verlauf vorzubereiten.2 Zudem gibt es Behandlungsansätze, die darauf abzielen, das Fortschreiten in das klinische Stadium 3 zu verzögern.2
Wenn Du Dich im symptomatischen, klinischen Stadium des autoimmunen Typ‑1‑Diabetes befindest, umfasst die Behandlung in der Regel eine Insulintherapie sowie die regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels.4,19 Ergänzend können Bewegung, Anpassungen des Lebensstils und unterstützende Angebote Dir helfen, die Erkrankung aktiv zu bewältigen und Dein Wohlbefinden zu stärken.4
Referenzen
- Typ-1-Diabetes-Index. 11. Juli 2022. Zuletzt abgerufen am 4. August 2025. https://www.t1dindex.org/
- Leichter SB et al. J Clin Endocrinol Metab 2025: dgaf194. doi:10.1210/clinem/dgaf194
- Katsarou A et al. Nat Rev Dis Primers 2017; 3: 17016. doi:10.1038/nrdp.2017.16
- Holt RIG et al. Diabetes Care 2021; 44: 2589-625. doi:10.2337/dci21-0043
- Kahanovitz L et al. Point Care 2017; 16: 37-40. doi:10.1097/POC.0000000000000125
- American Diabetes Association Professional Practice Committee. Diabetes Care 2026; 49 (Suppl. 1): S27–49.
- Alzahrani BA et al. BMC Endocr Disord 2023; 23: 24. doi:10.1186/s12902-023-01280-y
- Lucier J & Mathias PM. StatPearls Publishing; 2024. Zugriff am 6. Dezember 2024. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK507713/
- Gong B et al. Pediatr Res 2025; 97: 568-76. doi:10.1038/s41390-024-03107-5
- Haller MJ et al. Horm Res Paediatr 2024; 97: 529-45. doi:10.1159/000543035
- Krischer JP et al. Diabetologia 2015; 58: 980-87. doi:10.1007/s00125-015-3514-y
- Ghalwash M et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2022; 10: 589-96. doi:10.1016/S2213-8587(22)00141-3
- Thomas NJ et al. Lancet Diabetes Endocrinol 2018; 6: 122-29. doi:10.1016/S2213-8587(17)30362-5
- Sims EK et al. Diabetes 2022; 71: 610-23. doi:10.2337/dbi20-0054
- Insel RA et al. Diabetes Care 2015; 38: 1964-74. doi:10.2337/dc15-1419
- Leslie RD et al. Diabetes Care 2021; 44: 2449-56. doi:10.2337/dc21-0770
- Muñoz C et al. Clin Diabetes 2019; 37: 276-81. doi:10.2337/cd18-0088
- Phillip M et al. Diabetologia 2024; 67: 1731-59. doi:10.1007/s00125-024-06205-5
- Akil AAS et al. J Transl Med 2021; 19: 137. doi:10.1186/s12967-021-02778-6
MAT-DE-2602358-1.0-07/2026